DER GROSSE REGEN!

DER GROSSE REGEN! Das Jahr hat vielversprechend angefangen – zwei neue Weinberge, gutes Wetter, alles okay! Dann ging es schon los mit der anhaltenden und teilweise heftigen Kälte im Mai, so dass sich das Pflanzenwachstum um etwa zwei bis drei Wochen nach hinten verschoben hat (unsere Obstbäume hat es dabei hart getroffen – 80% Frostschaden und der Rest wurde nicht bestäubt, weil es den Bienen zu kalt war). Aber das viel größere Problem war, dass uns, speziell beim Lemberger, ganz viele Blütenansätze erfroren sind, so wie es momentan den Anschein hat, wird es dieses Jahr wieder nur eine mickrige Ausbeute bei unserem Blanc de Noirs vom Lemberger.

Dann ging es aber los, mit der Wärme und dem Regen! Dass der Boden Wasser brauchte – keine Frage, aber dass es nun im Juni so viel Wasser mit wechselweise so hohen Temperaturen geben musste…tödlich für die Beeren und Trauben! Ich sage nur Peronospora – der falsche Mehltau (wen es interessiert Plasmopora viticola), der ganze Jahrgänge innerhalb kürzester Zeit vernichten kann. Pero, wie man als Winzer dazu sagt, fühlt sich besonders wohl, wenn es nachts um die 12°C hat und zusätzlich hohe Luftfeuchtigkeit oder gar Blätternässe besteht. Tagsüber dann 22-27°C und wir haben das ideale Wetter für diesen kleinen, fiesen Gegner. Das Wetter im Juni war also perfekt, um Pero, mit seinen sogenannten Ölflecken, wunderbar auszubilden und uns Winzer auf Trab zu halten. Wir haben das Glück (oder Pech – wie man will), dass wir unsere Weinberge komplett von Hand bearbeiten und den Pflanzenschutz ausschließlich mit der Motorspritze durchführen, so hatten wir keine Probleme mit den völlig durchnässten Böden und konnten unseren Pflanzenschutz halbwegs punktgenau an die Stöcke bringen. Unsere Freunde und Kollegen hat es da viel schlimmer getroffen, die konnten ihre großen Weinberge teilweise aufgrund der Nässe nicht mehr mit dem Schlepper befahren und somit war auch kein Pflanzenschutz mehr möglich – echt ziemlich besch…eiden für die Kollegen!

Was macht also Pero mit unseren Beeren? Es lässt sie quasi vertrocknen. Alle befallenen Teile färben sich durch Absterben des Gewebes braun. Infektionen nach der Blüte führen zu den sogenannten Lederbeeren. Der Pilz dringt über Spaltöffnungen in das grüne Rebgewebe ein und zerstört dieses nach und nach, so dass die Beeren braun-violett werden, schrumpfen und absterben. Auch das Stilgerüst stirbt ab und es bleibt fast nichts mehr übrig, jedenfalls nichts, was sich noch verwerten lassen könnte.

Die sogenannten Ölflecken sind also das erste Anzeichen für einen Peronospora Befall. Es bilden sich auf der Blattoberseite gelbliche Flecken und auf der Unterseite sprießt nach eine Inkubationszeit von 4-5 Tagen dann ein weißer Pilzrasen, das untrügliche Zeichen für Falschen Mehltau – Peronospora. Wie wird man also diesem Fiesling Herr – man spritzt ein Kontaktfungizid, was bei uns Öko-Winzern also letztlich nur ein Kupfersulfat ist. Wir nutzen ein tribasisches Kupfersulfat, das auch eine vorbeugende Wirkung gegen Pero hat. Vorbeugend bedeutet aber wiederum, dass man seine Spritzabstände, Blatt Benetzung und Wirkung gut im Auge behalten muss sonst hat man den kleinen Scheißer schneller als man denkt!

Jetzt hoffen wir mal, dass der Sommer noch kommt und dass der Juli und August bestes Wein-Wetter bringen, dann können wir vielleicht noch was retten!

Bis dahin…

GRÜN – GRÜNER – AM GRÜNSTEN!

GRÜN – der Juni ist gekommen, alles leuchtet in unglaublich schönem grün und  unser später Rebschnitt, nach Vollmond, im März hat sich gelohnt – die Gescheine sehen toll aus! Wenngleich ich auch sagen muss, das war echt kurz auf knapp im März, mit dem Rebschnitt. Im biodynamischen Weinbau wird ja extrem mit der Natur gearbeitet, weshalb wir uns dieses Jahr entschlossen haben, auch wenn wir bislang „nur“ biologischen Weinbau betreiben, dass wir nun beginnen noch mehr im Einklang mit der Natur zu arbeiten und haben deshalb den Rebschnitt direkt auf einen Tag nach Vollmond gelegt und je näher der Rebschnitt am Austrieb liegt, desto besser soll es für die Rebstöcke sein. Deshalb haben wir beschlossen, wir schneiden am 10.März, am Tag nach Vollmond…was ich nicht bedacht hatte, dass der Winter nicht kalt war und der Frühling quasi schon zwei, drei Wochen früher eingesetzt hat. Wir kamen also etwas ins Schwitzen mit unserem Rebschnitt! Hat aber alles gerade noch „just in time“ funktioniert und wie schon gesagt, die Gescheine waren ein Traum!

Auch unsere Kirsch- und Apfelbäume waren eine wahre Pracht – voll behangen mit tollen  Früchten und das nach dem Vorjahr, in dem die Ernte gleich Null gewesen ist!

Die Bilder vom 27.Juni erspare ich euch jetzt. Am Tag zuvor, am frühen Abend des 26.Juni wurde das Remstal von einem Hagelschauer heimgesucht, wie es das schon lange nicht mehr gegeben hatte! Mir stehen heute noch die Tränen in den Augen, wenn ich daran denke…ein Freund und Winzerkollege sagte „…für euch ist es ein emotionaler Schaden, für mich ein existenzieller“ diese Aussage werde ich nie vergessen und vor allem den guten Ratschlag – nach so einem Gewitter, gehe frühestens vier oder fünf Tage später in deine Weinberge, dann hat die Natur das Gröbste schon wieder gerichtet!

Es hat also auch unseren Riesling für den ERSTLING und den Lemberger für den NEULING  richtig zerlegt gehabt, schätzungsweise 30-40% der Gescheine und der Laubwand waren zerstört…

DER ORT!

Strümpfelbach, ehemals als Weingärtnersiedlung des nahegelegenen Endersbach gegründet, besticht nicht nur durch seine unzähligen Fachwerkhäuser aus dem 16.Jahrhundert und seine weltweit hochgeachteten Weingüter. Auch die große Kunst findet ihren Platz im beschaulichen Strümpfelbach. Mit Prof. Karl Ulrich Nuss hat Strümpfelbach einen renommierten Bildhauer, der in seinem Museum auch viele weitere Künstler der Öffentlichkeit präsentiert. Wein und Kunst, die oft zitierte Beziehung, in Strümpfelbach ist sie Teil des normalen Lebens, hier treffen die Künstler aus den Weinbergen und Weinkellern auf klassische Kunst!

EXPLOSION!

Nur zwei Wochen sind vergangen, seit ich davon berichtet habe, wie schnell es jetzt mit den Reben vorangeht und schon können wir vom nächsten Wachstumsschub berichten. Es kommt einer Explosion gleich, was momentan im Weinberg passiert, wir können zuschauen, wie die Reben zwischen 5 und 10 Zentimetern pro Tag zulegen. Auch die Gescheine, die vor zwei Wochen noch recht klein waren sind jetzt teils zu stattlichen Gebilden herangewachsen und stehen ganz kurz vor der Blüte. Das Wetter – toi toi toi – ist dieser Jahr aber bislang auch großartig, es gab genügend Regen im Frühjahr, aber auch Wärme und Sonnenschein, so dass bislang alles sehr gut aussieht and wir uns auf intensive Pflegearbeiten einstellen. Die ersten Blattwände mussten bereits ausgedünnt werden, um den Gescheinen bestmögliche Luftzirkulation und Lichtverhältnisse für die Blüte zu verschaffen. Es gibt also viel zu tun…packen wir es an!

Bis bald…