WEINLESE 2022!

WEINLESE 2022 – sensationell!

Also man kann sagen was man will, das Jahr war zu trocken, zu heiß, zu…keine Ahnung was – aber die Qualität ist sensationell! Gut, teilweise sind die Erträge der Rebsorten nur „normal“, aber z.B. die Burgundersorten haben trotz der großen Trockenheit und der Hitze sehr ordentliche Erträge gebracht! Wenn wir jetzt noch im Keller die Mengen und Qualitäten gut verarbeitet bekommen, dann wird das glaub ein sensationeller Jahrgang…wir können jedenfalls nicht klagen.

An dieser Stelle auch nochmals vielen lieben Dank an unsere Lese-Crew:  Carina, Aline, Rolf, Jürgen, Helmut, Karin, Andrea, Tommy, Nadja, Petra, Wolfgang, Frank, Uwe, Volker…sorry, wenn ich jemanden vergessen haben sollte!

RIEN NE VA PLUS!

RIEN NE VA PLUS – nichts geht mehr!

Im wahrsten Sinne des Wortes geht im August nichts mehr…wenn der Weinberg bis dahin nicht gut gewachsen ist, dann wird es im August auch nichts mehr. Im August wird, bei uns zumindest, auch kein Pflanzenschutz mehr betrieben obwohl Oidium (Mehltau) durchaus bis Anfang September, bis zum Weichwerden der Beeren, Schaden anrichten kann. Bislang hat aber die letzte Spritzung Ende Juli, Anfang August an und für sich immer ausgereicht. Wenn es mal noch einen leichten Spätbefall gegeben hat, dann ging der in die Laubwand. Das ist dann zwar meist für das Folgejahr nicht so schön, weil die befallenen Ruten zwingend rausgeschnitten werden sollten, aber die Trauben waren nicht befallen.

Unsere Beeren haben dieses Jahr jedenfalls eine tolle Qualität und sehen jetzt, Ende August, auch schon ganz gut aus – mal sehen, wann wir dann tatsächlich lesen werden?

 

 

OECHSLE!

GRAD OECHSLE – das Zauberwort

Das vermeintliche Zauberwort im Weinbau – Grad Oechsle, also der Zuckergehalt des Traubenmosts. Zwar ist der Zuckergehalt der Beeren ein Gradmesser für den möglichen Alkoholgehalt des fertigen Weines, aber nur einer von mehreren Faktoren für die Qualität eines Weines. Zu hohe Oechslegrade bringen meist nur recht hohe Alkoholgehalte oder aber Weine, die eine erhebliche Restsüße haben. Da die Qualität aber vor allem auch von der Säure und dem gesamten Zusammenspiel Zucker-Säure und vor allem dem PH-Wert abhängt ist das Linsen auf die Oechsle Grade eher zweitrangig. Ein schöner Riesling mit knackiger Frische und tollen Aromen braucht keine 9x°Oechsle bei der Lese. Gemessen wird der Zuckergehalt des Traubenmosts im Keller in der Regel mit einer Mostwaage, im Berg, um einen schnellen Überblick zu bekommen, nimmt man ein Refraktometer (siehe Bild), hier wird mittels der Lichtbrechung durch die Zuckerkristalle im Saft der Zuckergehalt gemessen.

Im Bild hier die 85°Oechsle sind von unserem Lemberger rund einen Monat vor der Lese aufgenommen, allerdings nur eine einzelne Beere, also nicht repräsentativ für den gesamten Weinberg.

DER GROSSE REGEN!

DER GROSSE REGEN! Das Jahr hat vielversprechend angefangen – zwei neue Weinberge, gutes Wetter, alles okay! Dann ging es schon los mit der anhaltenden und teilweise heftigen Kälte im Mai, so dass sich das Pflanzenwachstum um etwa zwei bis drei Wochen nach hinten verschoben hat (unsere Obstbäume hat es dabei hart getroffen – 80% Frostschaden und der Rest wurde nicht bestäubt, weil es den Bienen zu kalt war). Aber das viel größere Problem war, dass uns, speziell beim Lemberger, ganz viele Blütenansätze erfroren sind, so wie es momentan den Anschein hat, wird es dieses Jahr wieder nur eine mickrige Ausbeute bei unserem Blanc de Noirs vom Lemberger.

Dann ging es aber los, mit der Wärme und dem Regen! Dass der Boden Wasser brauchte – keine Frage, aber dass es nun im Juni so viel Wasser mit wechselweise so hohen Temperaturen geben musste…tödlich für die Beeren und Trauben! Ich sage nur Peronospora – der falsche Mehltau (wen es interessiert Plasmopora viticola), der ganze Jahrgänge innerhalb kürzester Zeit vernichten kann. Pero, wie man als Winzer dazu sagt, fühlt sich besonders wohl, wenn es nachts um die 12°C hat und zusätzlich hohe Luftfeuchtigkeit oder gar Blätternässe besteht. Tagsüber dann 22-27°C und wir haben das ideale Wetter für diesen kleinen, fiesen Gegner. Das Wetter im Juni war also perfekt, um Pero, mit seinen sogenannten Ölflecken, wunderbar auszubilden und uns Winzer auf Trab zu halten. Wir haben das Glück (oder Pech – wie man will), dass wir unsere Weinberge komplett von Hand bearbeiten und den Pflanzenschutz ausschließlich mit der Motorspritze durchführen, so hatten wir keine Probleme mit den völlig durchnässten Böden und konnten unseren Pflanzenschutz halbwegs punktgenau an die Stöcke bringen. Unsere Freunde und Kollegen hat es da viel schlimmer getroffen, die konnten ihre großen Weinberge teilweise aufgrund der Nässe nicht mehr mit dem Schlepper befahren und somit war auch kein Pflanzenschutz mehr möglich – echt ziemlich besch…eiden für die Kollegen!

Was macht also Pero mit unseren Beeren? Es lässt sie quasi vertrocknen. Alle befallenen Teile färben sich durch Absterben des Gewebes braun. Infektionen nach der Blüte führen zu den sogenannten Lederbeeren. Der Pilz dringt über Spaltöffnungen in das grüne Rebgewebe ein und zerstört dieses nach und nach, so dass die Beeren braun-violett werden, schrumpfen und absterben. Auch das Stilgerüst stirbt ab und es bleibt fast nichts mehr übrig, jedenfalls nichts, was sich noch verwerten lassen könnte.

Die sogenannten Ölflecken sind also das erste Anzeichen für einen Peronospora Befall. Es bilden sich auf der Blattoberseite gelbliche Flecken und auf der Unterseite sprießt nach eine Inkubationszeit von 4-5 Tagen dann ein weißer Pilzrasen, das untrügliche Zeichen für Falschen Mehltau – Peronospora. Wie wird man also diesem Fiesling Herr – man spritzt ein Kontaktfungizid, was bei uns Öko-Winzern also letztlich nur ein Kupfersulfat ist. Wir nutzen ein tribasisches Kupfersulfat, das auch eine vorbeugende Wirkung gegen Pero hat. Vorbeugend bedeutet aber wiederum, dass man seine Spritzabstände, Blatt Benetzung und Wirkung gut im Auge behalten muss sonst hat man den kleinen Scheißer schneller als man denkt!

Jetzt hoffen wir mal, dass der Sommer noch kommt und dass der Juli und August bestes Wein-Wetter bringen, dann können wir vielleicht noch was retten!

Bis dahin…

GEHT DOCH!

Geht doch – na also! Jetzt, Ende September, kurz vor der Weinlese, können wir erst einmal Entwarnung geben. Der September hat sich von seiner schönen Seite gezeigt, zumindest für die Trauben und somit sind wir jetzt doch auf sehr gute Mostgewichte gekommen und vor allem die Qualität der verbliebenen Trauben ist schon sehr gut. Die Beeren haben nicht so viel Wasser, was definitiv den Ertrag reduzieren wird – wie viel, das wird sich nach der Lese zeigen, wenn die Beeren gepresst wurden.

 

DESIGN-DRINKING-PROCESS!

Der Design Drinking Process – was soll ich sagen, nachdem wir sehr lange nur halbherzig mit dem Thema Design und „wie sollen unsere Etiketten eigentlich aussehen“ gespielt haben, wurde es im Januar dann aber doch tatsächlich ernst und wir mussten uns zwingend notwendige Gedanken machen über das – wie wollen wir das Etikett gestalten?!

Der erste Ansatz war – wir wollen einzigartig sein!

Gut, das will sicher jedes Weingut, jeder Weinproduzent, aber wie wird man auf diesem hartumkämpften Markt einzigartig, wie gestaltet man eine Marke und ein Etikett, wenn man davon keine Ahnung hat? Also haben wir uns überlegt, wie wir in einer Weinhandlung einen Wein finden würden, wenn wir nur 30s Zeit haben uns alles anzuschauen. Genau, die Optik muss irgendwie knallen, ins Auge springen! Aber wie genau springt einem eine Flasche Wein ins Auge, wenn man nur kurz das Regal überfliegt? Anfangs hatten wir zarte graue Streifen im Blick, aber unsere ersten Entwürfe auf Büttenpapier mit einem Farbdrucker gedruckt und auf leere Flaschen aufgeklebt sahen dann doch eher mittelmäßig aus und hätten jetzt auch nicht unbedingt zum Einbrennen in die Netzhaut getaugt. Die Mehrzahl aller Etiketten ist schließlich weiß bzw. naturfarben als Grundton des Etiketts und da bringen graue Streifen auch keine wahnsinnige Coolness und Style rein. Was würde hängen bleiben – genau, rot oder schwarz, da würde man unweigerlich kurz innehalten und sich das Etikett anschauen!

Also, schon einmal einen Schritt weiter! Rot…rot sieht schon lässig aus, allerdings muss man dann genau auf den Farbton aufpassen, um nicht all zu sehr nach Hot-Glühwein-Punsch mit Kopfwehgarantie auszusehen und in welcher Farbe die Schrift dann gehalten sein muss…und überhaupt, wie soll das Schriftbild dann eigentlich aussehen?

Okay, schwarz! Schwarz oder dunkles grau haben per se ja schon einen gewissen Stylefaktor und gepaart mit einer weißen Schrift ist das immer zeitlos und irgendwie klassisch schön. Also, der Grundton des Etiketts war klar, 95%iges oder 100% schwarz soll es sein.  Jetzt also nur noch die Schrift…nur noch?! Okay, ich glaube, ich habe um die 200 Schrifttypen ausprobiert, teils dann auch wieder als Etikett ausgedruckt und aufgeklebt…es war zeitaufwändig und nervenaufreibend!

Aber auch die Schrift hatten wir dann irgendwann jetzt musste ja nur noch die Ausgestaltung stattfinden – äh, höre ich mich da sagen „nur noch“?! Gibt es ein einziges, die Flasche umspannendes Etikett, gibt es zwei Etiketten, was muss alles gesetzlich vorgeschrieben auf das Etikett, wo muss es hin und in welcher Größe und überhaupt…wie wollen wir den Wein eigentlich nennen? Nach dem ganzen Design Marathon kann man dann doch nicht einfach nur ein schnödes Eck & Simmerlein – Riesling trocken draufschreiben? Also, wieder zig Etiketten mit den unterschiedlichsten Weinbezeichnungen ausgedruckt und auf Flaschen geklebt…ohne Worte!

Sie sind geboren – ERSTLING unser Riesling trocken und NEULING unser Lemberger – Blanc de Noir…es war aber eine echt schwere Geburt!

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